Das jüdische Jahr

 

Die jüdische Zeitrechnung unterscheidet sich erheblich von der Zeitrechnung in den christlichen Kulturen. Der Kalender ist eine Kombination von Sonnen- und Mondjahr. Jüdische Gelehrte errechneten, dass die Welt im Jahr 3671 v. Chr. nach christlicher Zeitrechnung erschaffen wurde. Somit ist das christliche Jahr 2018 das jüdische Jahr 5778. Der 7.5.2018 nach christlicher Zeitrechnung wäre also der 22. Ijar 5778.

 

Die jüdischen Monate richten sich nach dem Mond, beginnen mit dem Neumond und dauern 29 oder 30 Tage. Damit hat das Jahr 354 Tage. Zum Ausgleich mit dem Sonnenjahr wird alle zwei oder drei Jahre vor dem Monat Adar ein zusätzlicher Monat, Adar scheni, eingefügt. Die Jahre mit 13 Monaten dauern also 384 Tage. Dadurch verschieben sich nicht die Jahreszeiten wie im Islam, denn die Tora verlangt, Pessach, Schawuot oder Sukkot in bestimmten Jahreszeiten zu feiern.

 

Der Nissan ist für die Monatszählung der erste Monat, Tischri gilt für die Jahreszählung als erster Monat. Die Tage im jüdischen Kalender beginnen abends mit dem Sonnenuntergang und enden auch abends nach dem Sonnenuntergang.

 

 

 

 

 

Feiertage

 

Sabbat (Schabbat, Schabbes)

 

Der sechste Tag. Da waren vollendet der Himmel, die Erde und all ihre Schar. Und G-tt vollendete am siebten Tag Sein Werk, das Er gemacht, und ruhte am siebten Tag von all Seinem Werk, das Er gemacht. Und G-tt segnete den siebten Tag und heiligte ihn, denn an ihm ruhte Er von all Seinem Werk, das G-tt geschaffen, dass es weiter wirke. (Gen. 2:1-3)

 

Der Sabbat ist im Grunde der höchste Feiertag, der seine Begründung im 4. Gebot hat: „Halte den Schabbattag ein, um ihn zu heiligen“. Außerdem erinnert der Sabbat an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten.

 

Wie alle Tage beginnt der Sabbat mit dem Sonnenuntergang am Vorabend. Als Orientierungshilfe kann man Kalender beziehen oder im Internet die Zeiten abrufen: Kerzen zünden Zeiten für Schabbat und Feiertage.

 

Der Sabbat ist ein Tag der Ruhe, Besinnung und Erholung. Die Vorbereitungen beginnen Freitagmorgen. Sämtliche Hausarbeiten werden erledigt und das Essen vorbereitet und vorgekocht. Am Sabbat herrscht Arbeitsverbot, was auch häusliche Arbeiten einschließt. Zum Abschluss wäscht man sich gründlich oder badet und zieht sich festliche Kleidung an.

 

Das gehört zur Schabbestafel: ein festliches Tafeltuch, 2 Kerzenleuchter, Kerzen, Kidduschbecher, koscherer Wein, 2 Challot (geflochtene Weißbrote), Challaplatte, Challadeckchen und Salzgefäß

 

Der Sabbat gehört der Familie und der Synagoge. Werktags darf man die vorgeschriebenen Gebete auch zu Hause verrichten, am Sabbat muss die Synagoge aufgesucht werden. Traditioneller Brauch am Sabbat sind die Kerzen, Gebete, der Kiddusch (Segensspruch über einen Becher Wein) und die festlichen Mahlzeiten. Mit der Hawdala (Habdalah, Hawdole), ein Ritual aus Wein-, Gewürz- und Lichtsegen, endet der Sabbat und es beginnt die neue Woche.

 

Hawdalagarnitur geflochtene Kerze

 

Je nach Glaubensrichtung wird das Arbeitsverbot mehr oder weniger streng aus-gelegt. In der Tora gibt es das Verbot, am Sabbat ein Feuer zu entfachen. Sehr strenggäubige Juden fahren am Sabbat kein Fahrrad oder Auto, benutzen keine Lichtschalter oder elektrischen Geräte (außer den Backofen zum Warmhalten der Speisen, aber die Temperatur darf am Sabbat nicht geregelt werden), machen keinen Sport, dürfen keine Eiswürfel oder Regenschirm benutzen, keine Lasten tragen, sich nicht schminken oder schreiben und bewegen sich nur im Umkreis ihres Wohnortes. Am Sabbat wird auch nicht der Schofar geblasen, da das Verwenden von Musikinstrumenten in dieser Zeit verboten ist. Insgesamt gibt es für Strenggläubige am Sabbat 39 verbotene Hauptarbeiten. Der Sabbat darf aber gebrochen werden, wenn ein Mensch in Lebensgefahr ist. Das menschliche Leben wurde durch G-tt gegeben und ist somit heilig. Demzufolge ist die Rettung eines Menschenlebens stets vorrangig.

 

 

 

Rosch Haschana (Neujahrsfest)


Das jüdische neue Jahr beginnt mit dem ersten Tag des Monats Tischri, der Rosch Haschana (Kopf des jüdischen Jahres) genannt wird. Am 1. und 2. Tischri wird das Neujahrsfest begangen. Rosch Haschana erinnert an den Bund zwi-schen dem Herrn und Israel und ist auch der Tag des Gerichts. Man soll sich besinnen, in sich gehen, sich vom Bösen abwenden, sich seiner moralischen Pflichten bewusst werden, Rechenschaft über sein Tun ablegen, Buße tun. Es hängt von der „Hinwendung“ zu dem Ewigen ab, zu welchem Urteil er kommt.

 

Wenn Rosch Haschana nicht auf einen Sabbat fällt, wird der Schofar nach genau festgelegten Regeln geblasen. Der Schofar ist ein sehr altes Musikinstrument aus einem Widderhorn, dass an Abraham erinnert, der an Stelle seines Sohnes einen Widder opfern durfte. Der Schofar soll die Gläubigen an ihre Pflichten erinnern, sie zur Reue auffordern.

 

Die Synagogen werden am Rosch Haschana überwiegend in der Farbe Weiß feierlich gestaltet. Es ist Brauch, am Rosch Haschana ein Stück Apfel zu essen, der vorher mit Honig bestrichen wurde. Ein Symbol, dass das neue Jahr süß und gut werde. Statt der Challot gibt es rund gewickelte Weißbrote, symbolisch für den Jahreskreislauf. Traditionell gibt es Fischkopf oder Möhrengerichte, da die Möhre für „Vermehrung“ steht.

 

 

 

Zom Gedaljia

 

Am dritten Tag des Tischri ist der Zom Gedaljia, ein Fastentag, der an die Ermordung von Gedalja, eine Leitfigur der jüdischen Gemeinde um etwa 3084, erinnert und auch an die moralischen Pflichten und Abwendung vom Bösen gemahnen soll.

 

Jom Kippur (Versöhnungsfest oder Tag der Sühne)

 

Am 10. Tischri, eine Woche nach Rosch Haschana, ist Jom Kippur, der wichtigste Bußtag und höchste Feiertag des Jahres. Jom Kippur steht für den Tag, an dem der Herr den Juden den Frevel mit ihrem Götzendienst am Goldenen Kalb verziehen hatte. Moses flehte fast drei Monat auf dem Berg Sinai um Vergebung, am 10. Tischrei wurde sie gewährt.

 

Jom Kippur soll den Gläubigen läutern, indem er sich seiner Vergehen bewusst ist und den Herrn um Vergebung und einen Neuanfang bittet. Auf den Jom Kippur wird hingearbeitet, denn Gläubige versuchen, bis zu diesem Tage Sünden wieder gut zu machen. Erst wenn man sich mit seinen Mitmenschen versöhnt hat, wird man die Gnade der Vergebung erfahren. Vor dem Jom Kippur gibt es zwei Festmahle. Dazu gehört ein Stück Honigkuchen.

 

Für den Jom Kippur gibt es viele Regeln. Die Synagogen und Gläubigen sind in Weiß gekleidet. Am Jom Kippur wird streng gefastet, das heißt, man darf auch nichts trinken. Nur Mädchen unter elf, Jungen unter zwölf Jahren und Kranke sind vom Fasten ausgenommen (Das Leben eines Menschen hat immer Vorrang). Es darf nicht gearbeitet werden, jüdische Schulen und Geschäfte bleiben geschlossen, man muss völlig enthaltsam sein, Duschen oder Baden sind verboten, Luxusartikel dürfen nicht benutzt werden, dazu gehören auch Lederschuhe. Es soll für wohltätige Zwecke großzügig gespendet werden. Am Jom Kippur gibt es fünf G-ttesdienste, viele Gläubige verbringen zehn Stunden und mehr in der Synagoge. Es wird auch an die Verstorbenen des letzten Jahres gedacht. Jom Kippur endet mit einem einfach geblasenen Schofarton. Nach Jom Kippur sollen die ersten Vorbereitungen für Sukkot getroffen werden.

 

 

 

Sukkot (Laubhüttenfest)

 

Sukkot sind die Feiertage vom 15. bis zum 22. Tischri und gelten als einer von drei Wallfahrtsfesten. Dieses Fest erinnert an die Wüstenwanderung der Hebräer von Ägypten zum gelobten Land. Ohne Bleibe waren sie der Witterung ausgesetzt, daher wird am Sukkot zur Erinnerung eine Sukkah erbaut. Obwohl das Material der Sukkah nicht vorgeschrieben ist, war es nicht so gedacht, sich im Baumarkt einen Pavillon oder Zelt zu kaufen.

 

Ab Jom Kippur wird an der Sukkah oder Laubhütte gearbeitet. Die Laubhütte soll einen provisorischen Charakter haben, Schatten spenden, aber keinen Regen aufhalten. Das Dach wird daher mit Ästen, Zweigen oder Laub gedeckt. In dieser Sukkah lebt man während der Feiertage, um sich zu vergegenwärtigen, dass der Schutz des Herrn wichtiger ist als ein festes Haus.

 

Die Sukkah kann überall erbaut werden, in Amerika gestatten manche Parks die Errichtung einer Laubhütte, viele Gläubige bauen sich ihre Sukkah aber auch auf dem Balkon.

 

Zum Sukkot-Fest gehört der Lulaw (Lulav), ein Feststrauß. Der Lulaw besteht aus vier Pflanzenarten, Palmenzweig (Lulaw), Myrtenzweig (Hadassim), Bachweiden-rute (Arawot) und Etrog, eine spezielle Zitrone. Der Lulaw symbolisiert die vier Himmelsrichtungen und Menschentypen. Zum Morgengebet wird der Lulaw in die Himmelsrichtungen und nach oben und unten geschüttelt. Damit bedankt man sich für die reichen Gaben der Natur.

 

 

Sukkot beginnt und endet mit einem Ruhetag und ist ein fröhliches Fest. In der Synagoge wird sogar häufig getanzt und für Kinder ist Sukkot der Hit. An den Ruhetagen ist die Arbeit eingeschränkt und Kinder haben schulfrei. Hoschana Rabba ist der siebte Tag der „hohen Feiertage“. An diesem Tag werden „Zettel in den Himmel“ geschickt, um das feststehende Urteil für das ganze kommende Jahr für den Gläubigen vielleicht noch zu beeinflussen. Daher stammt die jiddische Redensart „A gutt Kwittel!“.

 

Am Ende des Sukkotfestes wird Simchat Tora, das Fest der Torafreude, gefeiert. Mit Simchat Tora endet das alte Tora-Jahr und es beginnt ein neues Tora-Jahr, in dessen Verlauf dann immer am Sabbat ein Wochenabschnitt gelesen wird. Am Simchat Tora wird der letzte Wochenabschnitt gelesen und der Anfang. Damit verdeutlichen die Gläubigen, dass sie nie die Tora beenden werden. Die Bräuche zum Simchat Tora variieren. In vielen Gemeinden wird die Thora tanzend siebenmal um die Birna (Lesepult) und durch die Synagoge getragen, in Israel auch durch die Straßen. Alle lesen aus der Tora oder bestimmte Gläubige, für die es eine Ehre darstellt. Für Kinder ist Simchat Tora überall gleich. Sie bekommen reichlich Süßigkeiten geschenkt.

 

 

 

 

Chanukka (Hanukkah, Lichterfest)

 

Im 2. Jahrhundert v. Chr. war der Aufstand der Juden in Judäa gegen die herrschenden Seleukiden. lm Dezember 165 v. Chr. oder im Jahr 3597 führte Judas Makkabi ein Heer von Aufständischen nach Jerusalem und eroberte den Tempel zurück. Der Tempel war entweiht durch griechische Opferrituale. Nach Reinigung und Entsühnungszeremonie konnte der jüdische Brandopferaltar wie-der eingerichtet werden. Das Fest Chanukka erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels und Wiederaufnahme des Tempeldienstes. 

 

 

 

 

Der Leuchter für Chanukka ist die Chanukkia. Dieser Leuchter wird nur während der achttägigen Feiertage Chanukka benutzt. Die Chanukkia besitzt keine in der Tradition festgelegte Form. Sie muss in einer Reihe acht Kerzen oder Öllämp-chen haben, dazu eine als Schamasch (von Schammes = Synagogendiener, schammásch = Diener), mit der die acht Kerzen nach festen Regeln angezündet werden (Elektrische Lichter sind unzulässig). Dieses Ritual geht auf ein Wunder zurück, über dass im ersten Buch der Makkabäer und auch im Talmud berichtet wird. Nach der Befreiung des heiligen Tempels wollte man die Menora anzünden, fand aber nur geweihtes Öl für einen einzigen Tag. Die Herstellung von neuem Öl dauerte aber acht Tage. Das Wunder: Das eine Kännchen reichte statt für einen für die acht Tage. Um das Wunder von Chanukka bekannt zu machen, soll die Chanukkia im Türrahmen gegenüber der Mesusa platziert werden oder auf dem Fensterbrett.

 

Während der Besatzung war die Jüdische Religion verboten. Dennoch wurden die heiligen Schriften heimlich studiert. Tauchte eine griechische Patrouille auf, so verschwanden die Torawerke und die Lehrer und ihre Schüler taten so, als würden sie mit Dreideln spielen. Auf diese Legende geht der Brauch zurück, dass die Kinder am Chanukka mit dem Kreidel spielen.

 

 

Zur Erinnerung an das Öl werden Speisen am Chanukka gegessen, die mit Öl zubereitet werden wie Latkes (Kartoffelpuffer) und Berliner Pfannkuchen (Krapfen).

 

Es ist üblich, den Kindern Chanukka-Geld zu schenken. Es wird gerne gesehen, wenn die Kinder von ihrem Geldgeschenk einen Zedaka geben, also für wohltätige Zwecke spenden. Auch die Erwachsenen geben zu Chanukka mehr Zedaka. 

 

 

 

 

Tu Bischwat (Neujahrsfest der Bäume)

 

Am 15. des Monats Schwat wird das Fest Tu Bischwat (Tu biSchevat) gefeiert, das Neujahr der Bäume und Pflanzen. Der 1. Tischrei ist der Beginn der Jahreszählung, am Simchat Tora beginnt das neue Tora-Jahr, am Tu Bischwat endet die Regenzeit und beginnt die Pflanzzeit in Israel. An diesem Tag dankt man dem Herrn für die Natur und vergegenwärtigt sich der gegenseitigen Abhängigkeit.

 

Traditionell werden zum Fest Früchte oder Fruchtsalat gegessen, bevorzugt Früchte, die in Israel wachsen wie Oliven, Datteln, Trauben, Feigen und Granatäpfel. Für diesen Tag gibt es das Verbot, zu fasten, bestimmte Bittgebete zu sagen oder Trauerreden zu halten, weil es ein Tag der Freude ist.

 

Am Tu Bischwat werden in Israel viele Bäume gepflanzt, es sei denn, dass es ein Sabbatjahr ist. Sechs Jahre darf das Land bewirtschaftet werden, das siebte Jahr ist das Sabbatjahr, ein Ruhejahr für das Ackerland. Dieses Gebot wird im Sefer Schemot (2. Buch Mose) festgelegt. Im Levitikon (3. Buch Mose) gibt es die Gebote, dass man Baumfrüchte in den ersten drei Jahren nach der Pflanzung nicht essen darf, im vierten Jahr sind die Früchte heilig und erst ab dem fünften Jahr darf man sie umfangreich ernten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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